Bewusst leben

In den letzten 2 Jahren, in denen ich psychisch zum ersten mal sehr gut zurecht komme, habe ich viel über mein Leben der letzten Jahre nachgedacht und bin sehr oft zu der Frage gekommen „Warum geht es dir trotz dieser vielen Baustellen und trotz allem was war so gut?“. Der „Ausdruck es geht mir gut“ ist ja sehr allgemein und umfasst viel. Was heißt das genau? Viele Leute denken, dass es ihnen gut geht. Sie sind nicht krank, können laufen, verdienen Geld, … also ist ja alles gut. Sind aber trotzdem oft unzufrieden, schlecht gelaunt oder traurig. Was die meisten von ihnen nicht können, ist mal genau in sich reinfühlen und sich mit sich selbst beschäftigen. Und das nicht 2 Minuten, sondern mal für ein paar Stunden jede Woche . Vielen fehlt die Zeit, viele haben keinen freien Kopf, weil sie viel arbeiten oder im Studium/Klausuren/Examen stecken. Aufgrund meiner aktuellen Lebenssituation (keine Arbeitsstelle und den Therapien) habe ich den Luxus, genau dies machen zu können. Ich kann mir regelmäßig die Fragen stellen „Was tut mir gut? was brauche ich, um glücklich zu sein? Es geht nicht nur darum sich diese Fragen zu stellen, sondern auch zu merken, wann man die Antworten darauf bekommt. Die Antworten stecken meistens nämlich in anderen Dingen, als man denkt. Wenn wir mich als Beispiel nehmen, würde man denken, mich würde es glücklich machen, wenn ich wieder normal laufen könnte und alles machen könnte wie früher. Wenn das die Antwort auf die Frage wäre, müsste ich ja totunglücklich sein. Das ist aber nicht der Fall, also sind es andere Dinge oder in diesem Fall Fähigkeiten, die ich tatsächlich besitze. Die Diagnose, die ich in so jungen Jahren bekommen habe ist sicherlich unfair und wirklich eine Last. Aber nicht nur. Durch sie habe ich gelernt bewusster durch das Leben zu gehen. Aufgrund der Ataxie bin ich körperlich gezwungen jede Bewegung meines Körpers bewusst zu machen. Ich denke viel mehr über alles, was ich am Tag wie und wann mache nach. Dadurch gehe ich aufmerksamer und bewusster durch´s Leben, als vorher. Das ist eine Sache, die ich durch die Diagnose gelernt habe. Dafür bin ich sehr dankbar, da dies eine Fähigkeit ist, die mich sehr bereichert! Dass ich mich vegetarisch ernähre hat auch etwas damit zu tun. Bewusst zu essen!  Morgens früh aufstehen, um bewusst früh zu frühstücken dann mittags zu essen und abends essen… Das mache ich bewusst und nicht, weil es einfach eine Routine oder Angewohnheit ist. In einen Kontrollzwang soll ja keiner geraten, aber es ist auf jeden Fall auch eine Art und Weise gesünder zu leben! 😉 Das Bewusstsein im Alltag kann sich nur positiv auf Körper und Seele auswirken!

Caro

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