Interview zum Thema „Glück“

Heute möchte ich euch einen kleinen Ausschnitt aus einem Interview mit ins Wochenende geben. Gelesen habe ich es in dem Magazin „happinez“, welches ich euch sehr empfehlen kann. Es beschäftigt sich mit allen Themen, die uns helfen fit, gesund und glücklich zu bleiben. Somit auch mit dem Thema „Glück“. Dr. Ha Vinh Tho, der für Bhutans Regierung arbeitet, berichtet in dem Interview über sein Glück und was er während seines Lebens darüber gelernt hat:

Was ist Glück, Dr. Tho?
Willst Du eine Stunde glücklich sein, mache ein Nickerchen. Willst Du einen Monat glücklich sein, heirate. Willst Du ein Jahr glücklich sein, erbe ein Vermögen. Willst Du jedoch dein ganzes Leben lang glücklich sein, hilf anderen – sagt ein asiatisches Sprichwort. Ich finde, es verdeutlicht sehr die Wurzel allen Glücks: Mitgefühl und Güte. Doch das leben die Menschen im Westen zu wenig.
Warum?
Weil sie sich immer mehr entfernen – von sich selbst, von ihren Mitmenschen. Alles ist nur noch Wettbewerb. Schon in der Schule. Wenn ein Kind dem anderen hilft, heißt das „Schummeln“ und wird bestraft. Es werden die falschen Potenziale gefördert! Zu sehr der Kopf, zu wenig das Herz. Mit fatalen Folgen: Die meisten Krankheiten haben heute ihre Ursache in Stress und Leistungsdruck. Innerhalb von zehn Jahren ist allein in den USA die Einnahme von Antidepressiva um 400 Prozent gestiegen. Dabei ist das Gegenmittel rezeptfrei -und sehr wirksam: Hör mehr auf Dein Herz.
Wann haben Sie die Nähe zu sich selbst entdeckt?
Ich war mit meinen Freunden in Nepal unterwegs und fiel in einen Bach. Ich musste zurückgehen und mich umziehen. Meine freunde zogen weiter. Am nächsten Tag folgte ich ihnen – doch am Nachmittag wurde mir klar, dass ich mich verirrt hatte. Ich sah nur Berge, Täler, Wald und Felsen; war verloren im Himalaja. Ich fror schrecklich, wollte ein Feuer machen. Doch es hatte geregnet, alle Äste waren feucht. Fühlte mich vollkommen verzweifelt, machtlos – aber zugleich auch aufgenommen von der Natur, von den Bergen. In mir stieg tiefe Ruhe auf. So ein innerer Frieden. Innen und Außen waren nicht mehr getrennt voneinander. So nahe war ich mir noch nie gekommen. Mit dieser Erkenntnis hockte ich bibbernd und hustend da.

Sehen Sie dieses Erlebnis als Wendepunkt in Ihrem Leben?
Unbedingt! Denn seitdem bin ich mit meinem Inneren in Kontakt. Ich fand heraus, dass mir die Meditation dabei hilft. Ich meditiere jeden Tag. So bin ich gezwungen, mich auf mich selbst zu konzentrieren. Ich komme zur Ruhe, höre in mich hinein und erhalte Antworten.
Was ist Ihre Kraftquelle?
Die Natur. Ich gehe oft in die Berge, genieße diese Stille, diese Unberührtheit. Die klare Luft. Das ist pure Energie für meinen Körper – und für meine Gedanken. In Bhutan sagt man, Glück entsteht, wenn Du in Harmonie mit der Natur lebst. Dich als Teil von ihr fühlst. Diese Idee wird in Europa gerade wiederentdeckt: Die Kraft, ja, auch die Heilkraft der Natur. in Bhutan ist sie allgegenwärtig. Sogar beim Ministerpräsidenten.
Wenn Sie zurückblicken: Was ist Ihre wichtigste Erkenntnis über das Glück?
Ich mag den Satz von Albert Schweitzer: „Glück ist das Einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt.“ Er hat recht.

Magazin: happinez

Interview aus Ausgabe Nummer 3 2015

mit Sylvia Nause-Meier

Caro

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