Psyche

Eine Diagnose in jungen Jahren zu bekommen, ist mehr als beschissen. Leute, die nicht betroffen sind, können sich den Schmerz und die Verzweiflung nicht vorstellen, die man empfindet. Zuerst fällt man in ein Loch und ist geschockt. Sobald dieser Schock nachlässt, fängt man an die Realität zu verdrängen. So war es bei mir. Ich habe alles normal weiter gemacht und nicht über die Krankheit gesprochen. Viele in meinem Umfeld wussten gar nichts von einer Diagnose. Sichtbar war die Krankheit auch noch nicht. Daher fiel es mir leicht so zu tun als wäre nichts.  Doch von Jahr zu Jahr wurde mein körperlicher Zustand schlechter und somit auch der psychische. Mein Gang verschlechterte sich zunehmend und Depressionen kamen langsam bei mir ans Licht. Enge Freunde und Teile meiner Familie machten mir bewusst, dass es langsam Zeit wird, sich professionelle psychologische Unterstützung zu suchen. Von alleine hätte ich das nie gemacht, aber wenn deine wichtigsten Menschen dir in die Augen gucken und sagen :“Caro, wir können dir zuhören, aber wir können dir nicht helfen.“, bewegt es und beschäftigt dich.  Und so entschied ich mich nicht nur Psychotherapie zu nehmen, sondern auch in die Klinik nach Konstanz für 4 Wochen zu gehen. Die ersten 2 Wochen waren für mich die Hölle. Jeden Tag wurde ich durch Therapien und andere Patienten damit konfrontiert, dass ich tatsächlich krank bin und ich konnte auf einmal nichts mehr verdrängen. Also blieb mir nichts anderes übrig, als mich mit der Krankheit auseinander zu setzen. Dieser Prozess war das Schlimmste, was ich bis jetzt erlebt habe, da mir klar war, dass ich da ganz alleine durch muss. Aber die ganzen Tränen und miesen Gefühle waren es wert, da ich heute sagen kann, dass ich die Krankheit angenommen habe. Ich sehe die Ataxie nun nicht mehr als Bestrafung, sondern als Herausforderung.
Was dich nicht umbringt, macht dich stark!

Caro

One Comment

  1. Sehr ehrlicher Post, stark. Genau durch solche Phasen muss man wohl gehen. Wenn man unten war, weiß man wie schön und zufriedenstellend, das „normale“, nicht depressive Leben ist.
    Auch ich (seit 2011 FA Diagnose) habe bis 2015 verdrängt und wurde dann von einer Depression überfahren. Aber wenn man wieder aufsteht, ist man verändert und stärker.
    Gerade bei neurodegenerativen Krankheiten ist die Psyche meist involviert. Der Körper-Psyche Zusammenhang ist elementar und hochinteressant. Psyche happy – Körper stark und umgekehrt. Nicht nur deswegen ist regelmäßiges Trainieren und Fitness so wichtig 🙂

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